Polynukleotide – was steckt hinter dem neuen Trend in der ästhetischen Dermatologie?

In der ästhetischen Dermatologie hat sich in den vergangenen Jahren der Blick verändert. Es geht immer weniger darum, einzelne Falten möglichst stark zu glätten oder verlorenes Volumen wieder aufzufüllen. Stattdessen rückt zunehmend die Qualität der Haut selbst in den Mittelpunkt: Sie soll frischer, elastischer und ebenmäßiger wirken – möglichst ohne, dass eine Behandlung sofort erkennbar ist.

In diesem Zusammenhang werden derzeit zunehmend Polynukleotide eingesetzt. Sie werden häufig als neue Generation der sogenannten Biostimulation oder als „Skinbooster“ bezeichnet.

Doch was genau sind Polynukleotide? Wie sollen sie wirken und was kann man von einer solchen Behandlung tatsächlich erwarten?

Was sind Polynukleotide?

Polynukleotide sind natürliche DNA-Bausteine, die aus langen Ketten von Nukleotiden bestehen. Für medizinische Anwendungen werden sie hochgereinigt und in aufbereiteter Form eingesetzt.

Das klingt zunächst komplizierter, als es ist. Vereinfacht gesagt werden Polynukleotide nicht verwendet, um der Haut künstlich Volumen zu geben. Vielmehr sollen sie das natürliche Umfeld der Hautzellen unterstützen und dadurch Prozesse anregen, die für Regeneration und Gewebequalität wichtig sind.

Dabei stehen insbesondere die Fibroblasten im Mittelpunkt. Diese Zellen befinden sich in der Lederhaut und sind unter anderem an der Bildung von Kollagen und anderen Bestandteilen der extrazellulären Matrix beteiligt. Mit zunehmendem Alter nimmt die Aktivität dieser Zellen ab. Gleichzeitig verändern sich Kollagenstruktur, Elastizität und Wasserbindung der Haut.

Polynukleotide sollen auf dieses Hautmilieu unterstützend einwirken. Labor- und klinische Untersuchungen liefern Hinweise auf Effekte auf Zellaktivität, Gewebestruktur und Hydratation. Wie stark diese Effekte im einzelnen Patienten tatsächlich ausfallen, ist allerdings noch Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung.

Was ist der Unterschied zu Hyaluronsäure?

Diese Frage wird in der Praxis besonders häufig gestellt.

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Haut und kann sehr viel Wasser binden. In der ästhetischen Medizin wird sie unter anderem eingesetzt, um Volumenverluste auszugleichen, Konturen zu verändern oder bestimmte Falten gezielt zu behandeln.

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Polynukleotide verfolgen dagegen einen anderen Ansatz.

Sie sollen nicht primär Volumen schaffen, sondern die Hautqualität verbessern. Deshalb können sie insbesondere dann interessant sein, wenn die Haut dünner, trockener oder weniger elastisch geworden ist und ein möglichst natürliches Ergebnis gewünscht wird.

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Das bedeutet nicht, dass Polynukleotide grundsätzlich „besser“ sind als Hyaluronsäure. Beide Verfahren haben unterschiedliche Einsatzbereiche.

Bei einem deutlichen Volumenverlust kann beispielsweise ein Hyaluronsäurepräparat sinnvoll sein. Geht es dagegen eher um Hautstruktur, Elastizität und ein insgesamt frischeres Hautbild, können Polynukleotide eine interessante Behandlungsoption darstellen.

Was kann man von der Behandlung erwarten?

Polynukleotide führen normalerweise nicht zu einer sofortigen, ausgeprägten Veränderung des Gesichts.

Gerade das kann ein Vorteil sein: Das Ziel ist in der Regel keine Veränderung der Gesichtszüge, sondern eine schrittweise Verbesserung der Hautqualität.

Patienten berichten beziehungsweise Studien beschreiben unter anderem Verbesserungen von:

  • Hautfeuchtigkeit

  • Elastizität

  • Hautstruktur

  • feinen Linien

  • allgemeiner Hautqualität

Die bisher veröffentlichten klinischen Untersuchungen zeigen dabei teilweise positive Ergebnisse. Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Datenlage noch nicht mit derjenigen etablierter Verfahren vergleichbar. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fand zwar überwiegend positive Ergebnisse, bewertete die eingeschlossenen Studien jedoch nur als von niedriger bis moderater Qualität. Auch die Zahl der untersuchten Patienten war vergleichsweise klein.

Deshalb sollte man Polynukleotide nicht als Wundermittel betrachten. Sie sind vielmehr ein interessanter Baustein einer modernen, möglichst natürlichen ästhetischen Dermatologie.

Für welche Regionen kommen Polynukleotide infrage?

Polynukleotide werden vor allem zur Verbesserung der Hautqualität eingesetzt. Je nach Präparat und Behandlungskonzept kommen unter anderem Gesicht, Hals und Dekolleté infrage.

Auch die empfindliche Haut um die Augen wird in diesem Zusammenhang häufig diskutiert. Gerade dort ist allerdings eine sorgfältige Auswahl der Behandlung und eine entsprechende Erfahrung des behandelnden Arztes wichtig.

Darüber hinaus werden Polynukleotide inzwischen auch für weitere dermatologische Fragestellungen untersucht, beispielsweise bei Narben oder zur Unterstützung der Hautregeneration. Für einige dieser Anwendungen ist die wissenschaftliche Datenlage allerdings noch begrenzt.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Polynukleotide werden in der Regel mit einer feinen Nadel beziehungsweise entsprechenden Injektionstechniken in die Haut eingebracht.

Je nach Hautzustand, behandelter Region und verwendetem Präparat kann das Behandlungsschema unterschiedlich sein. Häufig sind mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Wochen vorgesehen.

Nach der Behandlung können vorübergehend Rötungen, kleine Schwellungen oder punktuelle Einstichstellen auftreten. Diese Reaktionen sind meist vorübergehend.

Wie bei jeder medizinischen Behandlung gilt jedoch: Auch wenn Polynukleotide insgesamt als gut verträglich gelten, sind Nebenwirkungen möglich. Die Behandlung sollte deshalb nach einer individuellen dermatologischen Beurteilung erfolgen.

Polynukleotide und „Regenerative Ästhetik“

Der Begriff „regenerative Ästhetik“ wird derzeit häufig verwendet. Gemeint ist damit ein Behandlungskonzept, bei dem nicht nur die sichtbare Veränderung, sondern auch biologische Prozesse des Gewebes berücksichtigt werden.

Polynukleotide passen zu diesem Ansatz, weil sie nicht einfach ein fehlendes Volumen ersetzen. Ihr möglicher Nutzen liegt vielmehr darin, das biologische Umfeld der Haut zu beeinflussen und dadurch Regenerationsprozesse zu unterstützen.

Allerdings sollte man auch hier zwischen einem interessanten biologischen Wirkprinzip und einem wissenschaftlich endgültig belegten klinischen Effekt unterscheiden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von 2026 beschreibt gerade bei Polynukleotiden eine gute biologische Plausibilität, weist aber gleichzeitig auf die noch heterogene klinische Evidenz hin.

Sind Polynukleotide für jeden geeignet?

Nein. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt immer vom individuellen Hautzustand und vom eigentlichen Behandlungsziel ab.

Bei ausgeprägtem Volumenverlust kann beispielsweise ein Filler die geeignetere Methode sein. Bei Pigmentveränderungen, Gefäßerweiterungen oder ausgeprägten Hautschäden können wiederum Laser- oder IPL-Verfahren sinnvoller sein.

Manchmal ist auch eine Kombination verschiedener Verfahren sinnvoll. Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, welches Verfahren gerade besonders populär ist, sondern welche Behandlung zur Haut und zum gewünschten Ergebnis des einzelnen Patienten passt.

Unser Fazit

Polynukleotide sind kein Ersatz für etablierte ästhetische Verfahren und auch kein Mittel, das die Haut innerhalb weniger Tage grundlegend verändert.

Sie sind vielmehr eine interessante Weiterentwicklung in einem Bereich, in dem sich die Behandlung zunehmend von einer reinen Falten- und Volumenbehandlung hin zur Verbesserung der Hautqualität entwickelt.

Die bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse sind vielversprechend, gleichzeitig ist die Datenlage noch nicht abschließend. Größere und methodisch hochwertige Studien werden zeigen müssen, bei welchen Patienten Polynukleotide welchen langfristigen Nutzen haben und welche Behandlungsschemata optimal sind.

Für Patienten kann die Behandlung deshalb insbesondere dann interessant sein, wenn ein frisches und natürliches Hautbild angestrebt wird, ohne die natürlichen Gesichtszüge zu verändern.

Welche Methode im Einzelfall sinnvoll ist, sollte nach einer persönlichen dermatologischen Untersuchung entschieden werden.

Vereinbaren Sie doch gleich einen Beratungtermin!

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